Fotos / Compositing: © Stefanie Sixt 2020
»Der Inhalt ist bekannt und ironisch: Er liebt sie, sie jemanden anderen. Er liebt sie trotzdem, sie aber jemanden Dritten. Er liebt sie weiterhin, doch sie jemanden Vierten.«
Mit dieser kurzen und prägnanten Zusammenfassung von Gustave Flauberts Weltliteraturklassiker »Madame Bovary«, der in der Selbsttötung der titelgebenden Hauptfigur endet, eröffnet die kroatische Dramatikerin Ivana Sajko ihren Theatertext »Bovary, ein Fall von Schwärmerei«.
Wie bei einer Cover-Version tauchen Motive aus der Flaubertschen Ursprungsversion auf, werden aktualisiert, modernisiert und weiterentwickelt. Die Popmusik übernimmt in Sajkos assoziativer Lektüre des Romans die Rolle, die die sentimentale Literatur des 19. Jahrhunderts bei Flaubert spielt: Als Welt der Trugbilder und Fiktionen wird sie zum verführerischen, schwärmerischen Sehnsuchtsraum für Emma.
Es entsteht ein faszinierendes, fluides Textgewebe, porös und fragil zugleich, das sich zwischen Abbildern von Weiblichkeit und Männlichkeit bis in den Tod hinein sehnt.
Inszeniert wird die deutschsprachige Erstaufführung von »Bovary, ein Fall von Schwärmerei« von Haus­regisseurin Nicole Schneiderbauer als Hybrid aus Performance, Schauspiel und Choreografie.
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